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Unternehmenswachstum – Was bremst Sie?

Von Tadeus Dobrovolskij


Jedes Unternehmen ist einzigartig und hat seine eigenen Herausforderungen zu meistern. Aber wachsen will jedes Unternehmen. Die Beseitigung der folgenden fünf Hindernisse kann, unserer Erfahrung nach, das gewünschte Wachstum fördern:

  1. Schlechter Führungsstil
  2. Undefinierte Strategie
  3. Ungeeignete Unternehmens-Organisation
  4. Operatives Chaos
  5. Mangelnde finanzielle Kontrolle

In diesem Artikel werden wir uns mit diesen Problemen, möglichen Lösungen und den daraus resultierenden Vorteilen befassen.

1. Schlechter Führungsstil

Es gibt einen Grund, warum sich Geschichtsbücher um einflussreiche KönigInnen, Präsidenten und Kriegsherren drehen. Es gibt einen Grund, warum hochkarätige Geschäftsführer so viel verdienen wie sie es tun. Leadership – Führung – ist wichtig, und die Person (oder die Personen) an der Spitze kann selbst das erfolgreichste Unternehmen in den Ruin treiben – oder ein scheiterndes zu neuen Höhen führen.

Die anderen vier Wachstums-Hindernisse, die wir im Folgenden behandeln werden, sind häufig auf schlechte Führungspraktiken zurückzuführen. Daher ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Unternehmensführung solide ist, bevor andere Themen angegangen werden.

Viele Bücher über Unternehmensführung (insbesondere die, die auf Flughäfen aufliegen) werden Sie verleiten, einfache Wege zu suchen, um eine bessere Führungspersönlichkeit zu werden: Seien Sie authentisch, seien Sie kein Mikromanager, delegieren Sie! Die Realität ist weitaus komplizierter. Gute Führung hängt vom Kontext ab. Es ist verfehlt, wenn Sie Mitarbeiter aus Ägypten genauso managen wie Mitarbeiter aus Nordamerika. Ein Kernkraftwerk zu führen ist ganz und gar nicht dasselbe wie ein Technologie-Start-up zu leiten. Ein Unternehmen durch eine Periode des Wandels zu führen, erfordert andere Methoden als eine Markterweiterung. Der einzige gemeinsame Faktor: Führungskräfte müssen Ergebnisse erzielen.

Um Ergebnisse zu erzielen, sollte eine hervorragende Führungspersönlichkeit in der Lage sein:

  1. Eine klare Vision vorzugeben: Ein guter Anfang ist die Beantwortung der Frage „Wie soll das Unternehmen in 10 Jahren aussehen?“.
  2. Einen Plan zu entwicklen, um diese Vision zu verwirklichen: Dies erfordert in der Regel eine umfassende Analyse und ein kompetentes Führungsteam. Für viele Unternehmen könnte dies bedeuten, dass zuerst neue Mitarbeiter eingestellt werden müssen.
  3. Die Vision als auch den Plan effektiv zu kommunizieren, das heißt, auf eine Art und Weise, die ein allgemeines Verständnis und eine Akzeptanz dafür im gesamten Unternehmen schafft: Das bedeutet vor allem, dass Sie den passenden Führungsstil für Ihre Persönlichkeit und den Kontext auswählen müssen.

Die Ausführung kommt danach. Wenn Ihr Unternehmen eine Vision und einen Plan hat, sowie ein kompetentes Führungsteam, das überzeugend kommuniziert und Vertrauen auf allen Ebenen des Unternehmens gewinnen kann, wird die Ausführung ein Erfolg.

Gekonnte Unternehmensführung ist nicht trivial und viele Menschen in Führungspositionen scheitern daran. Doch die Ergebnisse kompetenter Führung können beindruckend sein: Unternehmen, die von großartigen Führungskräften geleitet werden, erzielen doppelt so hohe Gewinne wie Unternehmen, die von guten Führungskräften geleitet werden (und schlechte Führungskräfte verlieren Geld).

2. Undefinierte (oder ignorierte) Strategie

Strategie ist eines der beliebtesten Themen in der Management-Literatur, wurde aber vor nur einem Jahrhundert ausschließlich mit dem Militär in Verbindung gebracht. Strategie hängt definitiv mit Führung zusammen und ist entscheidend für gesundes Unternehmenswachstum.

Opportunistische Unternehmen verwerfen gerne jegliche langfristige Vision und nutzen stattdessen jede beliebige sich bietende Möglichkeit, um zu verkaufen. Damit verursachen sie allerdings unnötige Kosten und verschwenden wertvolle Zeit mit letztlich ineffektiven Vertriebskanälen. Diese problematische Situation kann sowohl für Start-ups als auch für etablierte Unternehmen auftreten und zu Stagnation oder sogar zu Zerfall führen.

Es gibt auch Unternehmen, die nie eine Strategie entwickelt haben und einfach den Instinkten des Managements folgen – die manchmal Ergebnisse liefern, öfter jedoch nicht.

Obwohl es üblich ist, dass Start-ups mit verschiedenen Geschäftsmodellen experimentieren und diese mehrmals teils oder ganz abändern, sollten sich Start-ups irgendwann auf einen funktionierenden Ansatz festlegen und eine Strategie entwickeln, um die Ziele des Gründers zu erreichen. Unserer Erfahrung nach passiert das allerdings nicht immer. Oft bleiben Start-ups bei einem Produkt oder Service, das sich im Moment zu verkaufen scheint, stecken, aber wissen nicht wie man das Unternehmen von da in die nächste Phase überführt.

Dann gibt es noch reife Unternehmen, die in der Vergangenheit eine Strategie hatten, die aber aufgrund von Änderungen in der Wettbewerbslandschaft und im Kundenverhalten hinfällig wurde, sodass ihr niemand mehr folgt. Nicht unhäufig treten auch Situationen ein, in denen die Führungsriege, die hinter der ursprünglichen Strategie stand, das Unternehmen verlässt, und die Strategie dann ohne Unterstützung von oben in Vergessenheit gerät.

Wenn Sie möchten, dass Ihr Unternehmen wächst und nicht nur überlebt, ist eine gute Strategie (und unerschütterliche Unterstützung dafür) jedoch von entscheidender Bedeutung. Laut einer Studie der Harvard Business School, die über einen Zeitraum von zehn Jahren 160 Unternehmen analysierte, erzielten Unternehmen mit einer klar definierten Strategie eine 15-mal höhere Rendite (945% vs 62%) für die Aktionäre und einen 5-mal höheren Umsatzvorteil (415% vs 83%) als weniger erfolgreiche Unternehmen. Ohne Strategie haben die Mitarbeiter keine sinnvollen Geschäftsziele und die Ressourcenverteilung ist nicht optimal. Dies führt zu Ineffizienzen, die sich im Laufe der Zeit ansammeln.

Sofern Sie nicht bereit sind, auf einen klaren Wettbewerbsvorteil zu verzichten, müssen Sie sicherstellen, dass Ihr Unternehmen über eine Strategie verfügt und diese bei Entscheidungen beachtet wird.

3. Ungeeignete Unternehmens-Organisation

Wenn Unternehmen sich entwickeln und wachsen, hinkt ihre organisatorische Struktur oft hinterher. Dies ist eine große Herausforderung, insbesondere für Unternehmen, die am Übergang von Klein- zu Mittelbetrieb und Mittel- zu Großbetrieb sind. Natürlich können auch große Unternehmen, die seit vielen Jahren auf dem Markt sind, von einer intelligenten Umstrukturierung profitieren (und sie gehen zwecks Effizienz häufig durch solche Phasen). In den zuerst genannten Fällen besteht jedenfalls ein erheblicher Bedarf an Planung für die Weiterentwicklung der Unternehmens-Organisation.

Der Grund für Probleme in diesem Bereich ist einfach: Wenn ein Unternehmen über sich hinauswächst, wird es für verantwortliche Mitarbeiter schwieriger, ihre Aufgaben effektiv zu erledigen. Es ist einfach zu viel los, und wenn die verantwortlichen Personen dann nicht delegieren, oder eine bestimmte Hierarchie etablieren (oder adaptieren), bleiben Entscheidungen stecken, nichts geht mehr richtig weiter, die Mitarbeiter werden frustriert und hören auf, sich zu kümmern – oder sie verlassen das Unternehmen.

In der modernen, schnelllebigen Welt ist eine zusätzliche Hierarchieebene meist nicht die beste Lösung (obwohl sie oft die naheliegendste Maßnahme ist). Schließlich wird Bürokratie aufgebaut, und zu viel Bürokratie kann für ein Unternehmen genauso tödlich sein wie ein Engpass bei der Entscheidungsfindung. Idealerweise behalten Sie in Ihrem Unternehmen die kurze Reaktionszeit auf Marktveränderungen bei, die bei Start-ups und jungen Unternehmen häufig zu beobachten ist. Um dies zu erreichen, können Sie agile Arbeitspraktiken einführen.

Agile wurde Anfang der 2000er Jahre in der Welt der Softwareentwicklung populär. Der Ansatz basiert auf funktionsübergreifenden Teams, die häufig Änderungen am Produkt vornehmen, Kundenreaktionen darauf messen und bei Bedarf Anpassungen vornehmen. Mark Zuckerberg, Geschäftsführer von Facebook, beschrieb Agile in seinem berühmten Zitat: „Move fast and break things. Unless you are breaking stuff, you are not moving fast enough.“ (Beweg‘ dich schnell und mach‘ Sachen kaputt. Wenn du nichts kaputt machst, bewegst du dich nicht schnell genug.)

Natürlich müssen Sie die Einführung von Agilität in Ihr Unternehmen geschickt angehen, aber die gute Nachricht ist, dass Agilität nicht Instabilität bedeutet. Solange Sie Ihre Kernprozesse standardisieren und gute Governance-Praktiken einhalten, können Sie damit ein Rentabilitätswachstum von 30% und eine um 37% schnellere Umsatzsteigerung erzielen.

4. Operatives Chaos

Inkonsistente Qualität, redundante Arbeit und, folglich, mäßige Kundenzufriedenheit belasten Unternehmen häufig während Wachstumsphasen. Dies ist eine normale Periode in der Entwicklung von Unternehmen: Ein junges Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Produkt zu entwickeln und es an den Endverbraucher zu liefern. In der Regel gibt es keine oder nur begrenzte Richtlinien, und das Management agiert opportunistisch. Dieser Zustand kann ein Segen für ein Start-up sein, aber er wird das Wachstum des Unternehmens letztendlich behindern.

Diese herausfordernde Situation kann mithilfe eines geplanten Ansatzes zur Entwicklung der Unternehmens-Richtlinien bewältigt werden, indem Sie Ihre Ziele und Vorgaben definieren, aufschreiben und unternehmensweit standardisierte schriftliche Prozesse einführen. Sie müssen bei diesem Schritt mit viel Widerstand rechnen, da viele Mitarbeiter ihn zunächst für unnötig bürokratisch halten werden. Aus diesem Grund ist es von entscheidender Bedeutung, hierfür Best Practices aus dem Änderungsmanagement anzuwenden und die Unterstützung der Führungsebene zu sichern – bis die Änderungen verankert und Teil der Unternehmens-DNA geworden sind.

Der Aufwand lohnt sich aber. Studien zeigen, dass Sie mit einer Reduzierung Ihrer Betriebskosten um bis zu 30% und einer Qualitätsverbesserung um bis zu 20% rechnen können. Maßnahmen zur operativen Verbesserung können den Wert eines Unternehmens leicht verdoppeln oder sogar verdreifachen. Darüber hinaus helfen sie dabei, eventuell wichtige Prozess- oder Qualitätszertifizierungen für das Unternehmen zu erhalten (z.B. ISO 9001), die es dem Unternehmen ermöglichen, lukrativere Verträge abzuschließen und den Umsatz zu steigern.

5. Mangelnde finanzielle Kontrolle

KMUs ignorieren nicht selten die Entwicklung ihrer finanziellen Kompetenzen, weil sie entweder nicht genug Geld haben, um einen Finanzvorstand zu beschäftigen, oder weil sie der Meinung sind, dass Finanz etwas ist, worüber sich nur große, börsennotierte Unternehmen Sorgen machen müssen.

Die Rolle guter Finanzberichterstattung und -prognosen sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Sie machen es nicht nur einfacher einen Kredit oder Investitionen zu sichern, sondern können für viele wachsende Unternehmen auch eine Frage von Leben und Tod sein. Wenn ein Unternehmen sein Betriebskapital nicht im Auge behält, kann es zu einem Liquiditätsengpass kommen und das Unternehmen in die Insolvenz gezwungen werden. Dies ist sehr verbreitet unter Unternehmen, die ein sehr schnelles Wachstum verzeichnen.

Darüber hinaus helfen Finanzprognosen, die häufig mit dem Management des Betriebskapitals einhergehen, die Ressourcennutzung zu optimieren und bessere Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Unternehmen, die sich in diesem Bereich hervortun, verzeichnen über einen Zeitraum von 3 Jahren einen um durchschnittlich 12% schnelleren Anstieg des Aktienkurses im Vergleich zum Rest (46% gegenüber 34%). Das bedeutet für Sie eine Möglichkeit, in 3 Jahren 9% höher bewertet zu werden als die Mehrheit Ihrer Konkurrenten.

Die Schaffung eines maßgeschneiderten Finanzprognosesystems ist häufig einer der ersten Schritte, die wir für unsere Kunden durchführen – aufgrund der erwiesenen positiven Auswirkungen auf die Unternehmens-Leistung.

Über den Autor

 

Tadeuš Dobrovolskij

Partner - EMEA

Tadeuš wuchs als Sohn eines Unternehmers auf, und wurde so schon früh mit den Herausforderungen und Belastungen im Zusammenhang mit Unternehmenswachstum und -wandlung vertraut. Seither baute er seine Karriere als Leiter von Transformationsprojekten für Fortune-500-Unternehmen in Deutschland, Ägypten, Großbritannien und Litauen auf, wodurch er seine Leidenschaft für die Arbeit mit diversen, multikulturellen Teams entwickelte. Seine Kunden-Engagements umfassten bisher die Branchen Telekommunikation, Technologie, Transport und Risikokapital.

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